Für viele Handwerksbetriebe gehören grenzüberschreitende Aufträge längst zum Alltag. Ob Kundendienst in den Niederlanden, Montagearbeiten in Frankreich oder kurzfristige Serviceeinsätze im Ausland: Häufig müssen Betriebe dafür eine A1-Bescheinigung beantragen. Sie weist nach, dass Beschäftigte weiterhin dem heimischen Sozialversicherungssystem unterliegen. Für Wolfgang Hoffmann ist das ein Beispiel für die bürokratischen Belastungen im Handwerk.
EU plant Erleichterungen – aber nicht für alle
Am 7. Juli 2026 verabschiedete das Europäische Parlament neue Regelungen zur sozialen Sicherheit. Künftig soll bei Geschäftsreisen und kurzen Auslandstätigkeiten von bis zu drei Tagen innerhalb von 30 Tagen keine A1-Bescheinigung mehr erforderlich sein. Doch die Reform ist noch nicht in Kraft. Der Rat muss formal zustimmen. Anschließend dauert es weitere 24 Monate, bis die Regelung wirksam wird. Frühestens Ende 2028 könnte es damit Erleichterungen geben. Für das Bauhandwerk gilt die Ausnahme zudem nicht. Wegen hoher Entsendezahlen, erhöhter Unfallrisiken und möglicher Missbrauchsfälle bleibt die Nachweispflicht bei Bauleistungen ab der ersten Stunde bestehen.
Der Europaabgeordnete Dennis Radtke, dem Handwerk seit Langem verbunden, hatte mit dem Bochumer Kreishandwerksmeister in dessen Unternehmen für sein Format „Kurzet Päusken mit Dennis“ über die bürokratischen Hürden gesprochen. „Die Frage, die ich mir stelle als Unternehmer: Warum machen sich die Politiker, oder die Menschen, die gewisse Verordnungen auf den Weg bringen, nicht im Vorfeld klar, was genau sie damit anrichten“, hatte Hoffmann Radtke entgegengehalten. Dieser betonte, die A1-Bescheinigung sei für deutsche Unternehmen in der Tat ein Ärgernis und teilweise nicht zu erklären. Er sehe aber nach mehr als neun Jahren Verhandlungen in der geplanten Reform einen Fortschritt.
Hoffmann fordert weitere Entlastungen
Wolfgang Hoffmann begrüßt die geplanten Erleichterungen grundsätzlich. Allerdings greift ihm die Reform zu kurz. Besonders der Bausektor müsse nach dem derzeitigen Verhandlungsstand weiterhin umfangreiche Nachweispflichten erfüllen. Er fordert eine konsequente Entbürokratisierung des A1-Verfahrens, praxistaugliche Ausnahmen für kurzfristige Einsätze und eine einheitliche digitale Anerkennung in allen EU-Mitgliedstaaten. Auch bestehende Dokumentations- und Nachweispflichten müssten überprüft werden. Wie groß die Belastung durch Bürokratie insgesamt ist, zeigt eine Umfrage der Kreishandwerkerschaft Essen. Zahlreiche Betriebe verbringen mindestens zehn Stunden monatlich mit Verwaltungsaufgaben, einzelne sogar mehr als 40 Stunden. Dazu zählen Gefährdungsbeurteilungen, Statistikmeldungen und umfangreiche Dokumentationspflichten. Für Hoffmann steht fest, dass die geplante A1-Reform nur ein erster Schritt sein kann. Denn gerade kleinere und mittlere Handwerksbetriebe verfügen häufig nicht über eigene Verwaltungsabteilungen. Jede Stunde für zusätzliche Nachweise fehle damit an anderer Stelle – in der Werkstatt, auf der Baustelle oder beim Kunden.
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