Benefizabend 25 Jahre

Stiftung "Von Werkstatt zu Werkstatt"

Mit Dr. Auma Obama hat Johann Philipps eine prominente Festrednerin für das Jubiläum der Stiftung "Von Werkstatt zu Werkstatt" gewonnen. Nicht nur, dass die Schwester von Barack Obama ähnliche Ziele wie die Stiftung verfolgt. Mit ihrer sympathischen Art, perfektem Deutsch und neuen Sichtweisen auf Entwicklungshilfe und Afrika beeindruckte sie die 200 Gäste der Benefizveranstaltung.

Lohnt sich gesellschaftliches Engagement? So fragte Stiftungsgründer Johann Philipps zu Beginn. 25 Jahre besteht die Stiftung Von Werkstatt zu Werkstatt: Grund zu feiern, Grund die Stiftungsarbeit herauszustellen. Am Ende des strahlenden Abends in den Räumen von G Data in Bochum gab es keinen der 200 Gäste, der diese Frage verneint hätte.

Nur das Wie des Engagements, das wurde diskutiert. Neben Dr. Auma Obama holte Moderator Stefan Prott, selbst Mitglied des Kuratoriums, dazu NRW-Minister Dr. Stephan Holthoff-Pförtner, Vertreter der Stiftung, von Don Bosco Mondo und Akteure aus Bosnien-Herzegowina auf die Bühne.

 „Ich stehe als Afrikanerin vor Ihnen“, eröffnete Dr. Auma Obama ihre Rede. Sie hat in Deutschland Germanistik und Soziologie studiert und lebt in ihrer Heimat Kenia. Dort hat sie eine Stiftung gegründet, die ihren Namen trägt und sich um Kinder und Jugendliche zwischen vier und 25 Jahren kümmert. Das Motto: „You are your future“. Dass jeder seine eigene Zukunft bestimmen kann und selbst verantwortlich dafür ist, so Auma Obama, ist eine Erkenntnis, die der Afrikaner lernen muss. Sie fordert eine neue Form der Entwicklungshilfe und sieht dabei ihre eigenen Landsleute durchaus kritisch.

„Armut ist keine Entschuldigung“, sagte sie. So wie wir in Europa Afrika oft als ein einziges Land betrachten, das von Armut geprägt ist, so würden sich die Afrikaner auch selbst sehen. Menschen würden sich als Opfer betrachten, denen Hilfe zustünde. „Wir halten die Bettelschüssel hin und rufen: Hilf mir, hilf mir“, so Auma Obama. „Die Lösung ist nicht nur Philanthropie und humanitäre Hilfe“, so die Kenianerin. „Wenn wir die Wirtschaft nicht einbeziehen, werden wir immer scheitern.“

Ein anderer Satz: „Der Mensch muss Teil der Wertschöpfungskette werden.“ Sie äußerte in diesem Zusammenhang auch Kritik. Deutsche Wirtschaft, die sich in Afrika engagiere, dürfe nicht nur den eigenen Profit vor Augen haben, sondern müsse auch dafür sorgen, dass sich kleine Firmen im Land weiterentwickeln können.

Ein anderes Problem: In ihrer Heimat ist alles auf ein Studium ausgerichtet, so erzählt es Auma Obama. Handwerker zu sein, sei wenig angesehen, mit den Händen zu arbeiten, verpönt. „Das ist wie eine Katze, die sauer ist, weil sie kein Löwe ist und deshalb Wut im Bauch hat“, machte sie deutlich. Das führe dazu, so die 59-Jährige, dass viele Kleinstunternehmer am Straßenrand alles Mögliche mit ihren Händen herstellen, sie aber meist ungelernt sind.

Ihren Satz „Handwerk ist keine Alternative. Handwerk ist eine Notwendigkeit“ konnte Pater Krzysztof Nizniak nur bestätigen. Der Schreinermeister und Priester stellte das neueste Projekt von Don Bosco Mondo in Ghana vor, das von der Stiftung unterstützt wird. In Sunyani, im Nordwesten Ghanas, platzt ein Berufsbildungszentrum aus allen Nähten. 780 Auszubildende lernen hier in jedem Jahr in Gebäuden, die für 280 Schüler errichtet wurden. Jetzt sollen weitere Klassen und Werkstätten gebaut werden.

Neben der reinen Berufsausbildung in sechs Bereichen, darunter Kfz- und Elektrotechnik, Schreinern und Schweißen, wird in Sunyani auch Wert auf einen ganzheitlichen Ansatz gelegt. Das wird Auma Obama gerne gehört haben. Auch in ihrer Stiftung ist eine von vier Säulen die Persönlichkeits-entwicklung.

Weitere Gäste waren aus Bosnien-Herzegowina angereist. Pater Ivan Siric und Sasa Grozdic haben selbst ihre Ausbildung am Berufsbildungszentrum in Žepce gemacht. Heute sind sie Wirtschaftsleiter beziehungsweise Berufsschullehrer. Beide berichteten, wie angesehen die Schule heute ist. Es war eine der ersten Projekte, die die Stiftung unterstützte. Viele Beispiele also, wie Berufsausbildung zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung benachteiligter Regionen beitragen kann. War der Blick der Stiftungsgründer Johann und Norbert Philipps, sowie Prof. Dr. Ernst Nagel nach dem Fall des Eisernen Vorhangs noch auf die Krisen- und Kriegsgebiete in Osteuropa gerichtet, werden inzwischen Projekte in Indien, Südamerika oder Afrika unterstützt.

Auch bei der Benefizveranstaltung am 21. November floss wieder viel Geld in die Kasse der Stiftung. Gut gestimmt durch die tolle Location von G Data, die interessanten Redebeiträge, die Einlagen einer ghanaischen Trommelgruppe oder von Theater Total und auch wegen des edlen Dinners des Kochs Markus Vogel aus dem Haus G Data kauften die Gäste viele Lose für eine Tombola.

Die eine oder andere Sachspende hatte Johann Philipps schon im Vorfeld eingesammelt. Zur Begrüßung sagte er: „Ich habe eine Hilfsbereitschaft erlebt, die mir die Tränen in die Augen getrieben hat.“ Einige Stunden später konnte er sich über einen stolzen Erlös freuen: 98.075 Euro kamen an dem Abend zusammen, Tendenz weiter steigend.

Text: Ronny von Wangenheim, KH Aktuell Nr. 140/4/2019/// K 4217

 

Die Stiftung „Von Werkstatt zu Werkstatt“ wurde 1994 mit einem Startkapital von 100.000 Mark gegründet. Seitdem wurden mehr als 3.200 Ausbildungsverhältnisse in 13 Bildungszentren mit mehr als einer Million Euro gefördert. Die Stiftungsförderung wurde durch weitere Mittel von Don Bosco Mondo und öffentlichen Gebern wie dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung verzehnfacht.

Nähere Informationen finden Sie unter www.stiftung-von-werkstatt.de

 

Impressionen des Stiftungsjubiläums: