Genau in dieser Rolle ist der 61-Jährige vor allem in Herne unterwegs: als Bezirkshandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Ruhr und zugleich als Obermeister der Elektro-Innung Herne/Castrop-Rauxel/Wanne-Eickel.Rüdiger Sprick kennt das Handwerk in der Region schon lange. Mehr als drei Jahrzehnte ist er nach eigenen Worten in der Innung im Ehrenamt aktiv. Vor der Fusion der Kreishandwerkerschaften zur KH Ruhr war er zuletzt für drei Jahre Geschäftsführer der KH Herne/Castrop-Rauxel/Wanne-Eickel und Stellvertreter des damaligen Kreishandwerksmeisters Hans-Joachim Drath.
Zwischen Stadtverwaltung und Werkbank
Jetzt also ist Sprick Bezirkshandwerksmeister – eine Funktion, die er wichtig findet in dem großen Gebiet der KH Ruhr von Castrop-Rauxel bis Breckerfeld. Er sieht sich vor allem für Herne als Interessensvertreter für das Handwerk. Er spricht mit der Stadtverwaltung, mit dem Oberbürgermeister – da klappe es übrigens immer sehr schnell mit einem Gesprächstermin – oder den Fraktionsvorsitzenden. Ziel sei es, dass „das Handwerk auch wirklich bei allen kommunalen Entscheidern Gehör findet“. Und: „Gemeinsam die Zukunft unserer Stadt aktiv mitgestalten“.
Gleichzeitig ist Rüdiger Sprick An- sprechpartner für Betriebe, die beispielsweise den richtigen Kontakt in Verwaltungen suchen bei Bauprojekten oder Ausschreibungen. Und, so sagt er mit einem Lächeln, die Infrastruktur in Herne mit den ewigen Baustellen, Stichwort A 43, wird auch immer wieder zum Thema. Dass er dafür gebraucht wird, merkt er auch im Alltag. „Montagsmorgens gibt es immer so zwei, drei Betriebe, die anrufen.“ Da geht es um Informationen, aber auch um Probleme. Dreht es sich um Probleme innerhalb der Kreishandwerkerschaft, nimmt er sie in den Vorstand mit. Details nennt er nicht, aber er macht deutlich, dass interne Konflikte und organisatorische Fragen auch zum Ehrenamt dazugehören.
Manches ist schwieriger als in Bochum oder dem EN-Kreis. Castrop-Rauxel gehört bis Henrichenburg zur Kreishandwerkerschaft Ruhr, zugleich ist hier aber die Handwerkskammer Münster zuständig. „Das sind so die Herausforderungen, die sehr speziell sind“, sagt Sprick. Für Ausbildungsfragen oder bei neuen Betrieben zum Beispiel müsse man mit beiden Kammern arbeiten. Dass zwei Handwerkskammern zuständig sind, macht noch etwas schwierig: die Fusion von Innungen. Sprick nennt die Konditoren-Innung, die nur noch wenige Mitglieder hat. Eine Fusion mit der Ruhr-Innung wäre gut, aber zurzeit nicht möglich. Erst müssten rechtliche Bedingungen verändert werden. Und das dauere.
Sprick kennt auch die Schattenseiten der Fusion zu der großen Kreishandwerkerschaft Ruhr. „Da ist anfangs alles nach Bochum gegangen und die Kontakte nach Herne sind abgebrochen“, sagt er. Erst in den vergangenen anderthalb Jahren mit dem neuen Kreishandwerksmeister Wolfgang Hoffmann sei es gelungen, die Verbindung wieder enger zu knüpfen. Dass es ihn und seine Funktion heute gibt, hält er für wichtig: Ohne Bezirkshandwerksmeister würde der direkte Draht vor Ort schnell verlorengehen.
Digitalisierung, KI und die Suche nach der nächsten Generation
Für die Zukunft hat Sprick ein klares Thema: Sichtbarkeit. Dazu gehören soziale Netzwerke. Dazu gehört auch KI. Im Oktober soll es im Haus des Handwerks in Herne Vorträge geben für die Herner und Castrop-Rauxeler Betriebe zum Thema „KI im Handwerk“. Die Unternehmen sollen lernen, sich digital besser zu zeigen. Auch im eigenen Betrieb spielt das längst eine Rolle. „Wir holen bestimmt sechzig Prozent der Aufträge über Social Media, über Google, rein“, sagt Sprick. Facebook, Instagram und andere Kanäle sind für ihn keine Spielerei, sondern Geschäft. KI müsse ein Handwerkszeug sein, mehr nicht, findet er. Wer seinen Betrieb anrufe, werde immer noch einen Menschen an der Leitung haben. Aber für eine Baustellendokumentation beispielsweise sei KI sehr gut nutzbar.
Privat bleibt Zeit für Abstand
Ganz nur für das Handwerk lebt Rüdiger Sprick nicht. Vor anderthalb Jahren hat er mit dem Golfen begonnen, mit seiner Tochter spielt er seit Jahren samstagsmorgens Tennis. Urlaub macht er gern an der Ostsee oder in Oberstdorf. Sprick: „Man muss auch immer wieder Abstand finden von allem.“
Im Ehrenamt denkt Sprick schon an den Übergang. Er selbst werde nach dieser Amtszeit im Vorstand aufhören. „Dann müssen jüngere Leute ran“, sagt er. Das Handwerk brauche schließlich Menschen, die andere Erfahrungen und andere Erwartungen mitbringen. Sprick formuliert es so: „Dass man selber die Dinge in die Richtung bringen kann, die man möchte.“ Genau das treibt ihn bis heute an: Lösungen finden, vorantreiben, mitgestalten. Jungen Handwerksunternehmern und -unternehmerinnen kann Rüdiger Sprick deshalb ehrenamtliche Arbeit nur ans Herz legen.
Ronny von Wangenheim
