Nachwuchsgewinnung ist eines der zentralen Herausforderungen für das Handwerk. Unterstützung findet sich jetzt direkt vor Ort. Das Programm „Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen“, bislang bei der Handwerkskammer Dortmund angesiedelt, wurde ausgeweitet. „Statt zwei Beratern in Dortmund sind jetzt jeweils zwei Berater in Bochum, Dortmund und Soest“, erzählt Amelie Schaldach.
Seit 1. März arbeitet sie von der Kreishandwerkerschaft in Bochum aus. Im Mai kam Constantin Walkerling dazu. Durch die regionale Verankerung können Betriebe sowie Bewerberinnen und Bewerber künftig noch gezielter und persönlicher unterstützt werden. Denn: Das Programm richtet sich zum einen an kleine oder mittelständische Betriebe, zum anderen an Jugendliche und junge Erwachsene. Beide sollen passgenau zusammengebracht werden. Gefördert wird das Programm vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Eigentlich sind es zwei Programme. Bei der „Passgenauen Besetzung“ geht es vor allem um Ausbildungsplätze. Als Willkommenslotsen wollen Amelie Schaldach (26) und Constantin Walkerling (29) auch Erwachsene in Ausbildung oder Arbeit bringen. Hier geht es vor allem um Geflüchtete. Amelie Schaldach ist gelernte Handelsfachwirtin, hat außerdem Wirtschaftspsychologie studiert und war in einer Unternehmensberatung tätig. Constantin Walkering ist studierter Sozialwissenschaftler, hat sich viel mit Arbeitsmigration beschäftigt und nebenberuflich bei Weiterbildungseinrichtungen gearbeitet. Zusammen bringen sie also jede Menge Kompetenzen für die herausfordernde Arbeit mit. Großes Netzwerk „Kleinere Betriebe haben keine HR-Mitarbeiter, keine großen Kapazitäten für Berufsmessen, wollen oder können nicht für große Portale bezahlen“, sagt Amelie Schaldach. Genau dort aber würden Jugendliche nach Ausbildungsstellen suchen. „Mund-zu-Mund-Propaganda wie früher – das funktioniert nicht mehr.“ Stattdessen bräuchten junge Menschen heute direkte Ansprechpartner. Hier setzen sie und ihr Kollege an. „Wir arbeiten mit regionalen Trägern zusammen, Agenturen, besuchen Veranstaltungen, Messen, Speed-Datings und sind in Berufsschulen unterwegs“, beschreibt sie Teile ihrer Arbeit. Sprechstunden an Unis, die sich an Studienabbrecher richten, seien in Planung. Demnächst soll es bei einer Bustour mit Jugendlichen zu mehreren Betrieben in Witten gehen. Zurzeit bauen sie ihr Netzwerk auf und werden auch in den Innungsversammlungen auf ihr Angebot aufmerksam machen. Stellenausschreibungen auf Instagram und die Bedeutung von Social Media generell sind Stichworte. Aber auch über Fördermöglichkeiten für Unternehmen können Constantin Walkerling und Amelie Schaldach informieren. Sie sagt: „Ich war selbst erstaunt, was es alles für Angebote gibt im Ruhrgebiet.“ W-m
