Indien war das Ziel für eine Delegation der Stiftung „Von Werkstatt zu Werkstatt“. Die acht Kuratoriumsmitglieder und Freunde der Stiftung besuchten mehrere Berufsbildungsprojekte in Indien – vollständig auf eigene Kosten. Alle Gelder der Stiftung fließen ausschließlich in Projekte.
Ziel der Reise war es, Einblick in die Projekte zu bekommen, zu sehen, wie unser Engagement wirkt und wie nachhaltig es ist“, sagt die Kuratoriumsvorsitzende Christina Philipps. Wie schon bei früheren Reisen, zuletzt nach Ghana, wollte man mit Jugendlichen, Ausbildern und Partnern vor Ort ins Gespräch kommen. „Beeindruckend und emotional tief gehend“ sei die Reise gewesen. Die krassen Gegensätze zwischen Arm und Reich hätten alle zutiefst erschüttert. „Das war noch heftiger als in Ghana.“ Stefan Prott ergänzt: „Wir haben früher schon mal überlegt, ob es in einem so großen und aufstrebenden Land wie Indien überhaupt noch richtig ist, Förderprojekte zu unterstützen. Wenn die Reise eins gezeigt hat, dann, dass das sehr nötig ist.“ Er beschreibt: „Du siehst in Mumbai auf hundert Metern die Gegensätze: da der Wolkenkratzer des reichsten Mannes Indiens, und fünfzig Meter davor eine slumartige Hütte“. Man habe gesehen, dass die Menschen dort wenig Chancen hätten, aus der Armut herauszukommen.
Mumbai und Chennai
Der Partner vor Ort, Don Bosco Mondo, bietet genau dies jungen Menschen aus den ärmsten Bevölkerungsschichten. Vom 14. bis 21. Februar, in einem mit vielen Terminen gespickten Programm, konnte die Bochumer Gruppe mehrere Standorte in Mumbai und Chennai besuchen. Überall wurde die Gruppe aus Deutschland begeistert gefeiert, es gab berührende Begrüßungszeremonien. Überall habe man große Dankbarkeit gespürt, so Christina Philipps und Stefan Prott. Die Delegation besuchte unter anderem das Don Bosco Technical Institute im Mumbais Stadtteil Kurla. Dort unterstützt die Stiftung den Aufbau von Ausbildungszentren für Elektromobilität. Was als Pionierprojekt begann, gilt heute als Vorbild: In sechs Monaten erwerben Jugendliche Kompetenzen für Wartung und Umbau von Zwei-, Drei- und Vierrädern auf Elektroantrieb. „Das ist mehr als Technik. In Indien ist es Hoffnung“, sagt Christina Philipps.
Oasen des Friedens
Viele Teilnehmer stammen aus Dharavi, dem größten Slum Indiens. Auf rund zwei mal zwei Kilometern leben dort etwa eine Million Menschen. Enge, dunkle Gassen führen hunderte Meter ins Innere. Wegen aktueller Spannungen rund um geplante Umsiedlungen konnte die Gruppe das Viertel nicht betreten. Umso wichtiger seien Einrichtungen wie Don Bosco in Kurla. „Das sind Oasen der Sauberkeit, der Ruhe und des Friedens“, beschreibt Stefan Prott. Große Sportanlagen, sichere Räume, strukturierter Unterricht – für viele Jugendliche sei das der Gegenentwurf zum Alltag im Slum.
100 Prozent Vermittlung
Zum Abschluss stand das neuste Förderprojekt am Don Bosco Polytechnic College in Tirukazhukundram im Fokus. Rund zwei Stunden südlich der Millionen-Stadt Chennai liegt es in ländlicher Umgebung zwischen Reisfeldern und Fischerdörfern. Am College werden derzeit rund 600 junge Menschen ausgebildet, viele stammen aus Fischer- oder Tagelöhnerhaushalten. Nach Angaben der Verantwortlichen liegt die Vermittlungsquote bei 100 Prozent. Absolventen finden vor allem in der Kfz-Zulieferindustrie Arbeit, die sich aus der Millionenmetropole Chennai ins Umland verlagert hat. „Das war wahnsinnig gut geführt“, sagt Prott. Alles sei sauber, strukturiert, die Jugendlichen wirkten motiviert.
Die Stiftung beteiligt sich seit 2025 mit rund 96.000 Euro an einem Projekt an diesem Standort mit einem Gesamtvolumen von knapp 970.000 Euro. Es läuft bis Ende 2027. „Wir als Stiftung haben eine Hebelwirkung“, erläutert Christina Philipps. Mit der Zusage der Stiftung wurde eine 80-prozentige Förderung durch den Bund möglich. Der Besuch vor Ort habe noch mal gezeigt, was die Stiftung bewirken könne: Jungen Menschen zu helfen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. W-m
