Immer mal wieder was ausgetauscht, verändert, auf neue Nutzungen angepasst: Die Jahrzehnte hatten in der 1896 errichteten Villa ihre Spuren hinterlassen. „Wir haben schon viele Restaurierungsarbeiten durchgeführt“, sagt Jens Laufer. „Aber in solch einer Größenordnung war das für uns neu.“ Seine Schreinerei hat 149 Fensterflügel überarbeitet, Außen- und Innentüren instandgesetzt, Rollläden erneuert und Detaillösungen angefertigt.
Planung und Koordination lagen beim Herner Architekturbüro Gronotte. Die verschiedenen Renovierungen seien nicht substanzerhaltend gewesen, so Projektleiter Lutz Kahnwald. 1896 ließ die Herner Adelsfamilie von Forell die Villa als Ersatzwohnhaus errichten - wegen Bergschäden im benachbarten Schloss Strünkede. 1900 erwarb die Harpener Bergbau-AG die Villa. Seit 1960 gehört das Gebäude der Stadt Herne, die es seit Ende der 70er-Jahre als städtische Galerie für Kunstausstellungen nutzt. Im Frühjahr 2024 begann die grundlegende Sanierung der Villa. Die alte Substanz des Gebäudes sollte möglichst erhalten und der ursprünglichen Jugendstil-Charme betont werden. Ein Großteil der Arbeiten machten dabei die 149 Fensterflügel und -rahmen aus. „Sie waren in Form und Größe fast alle unterschiedlich“, sagt Jens Laufer. „Das war auf der einen Seite eine große
Herausforderung, hat aber aufgrund der vielen Detailarbeit auch viel Spaß gemacht.“ Auch energetische Faktoren spielten eine Rolle. So haben die restaurierten Fensterflügel – insbesondere in den Galerieräumen – jetzt Vakuumisolierglas: Es bietet eine ähnliche Wärmedämmung wie eine Dreifachverglasung – allerdings mit einer deutlich geringeren Dicke und leichter.
Daneben kämpfte die Tischlerei mit vielen Kleinigkeiten. „Manche Fenster und Türen ließen sich nicht mehr öffnen, weil Beschläge oder Schlüssel fehlten“, so Jens Laufer. „Diese mussten wir dann erst einmal auffräsen.“ Über rund zwei Jahre war er mit drei Gesellen und zwei Auszubildenden immer wieder mit dem Projekt beschäftigt: „Durch Abstimmungen mit der Denkmal-
behörde oder anderen Gewerken gab es zwischendurch auch mal längere Pausen.“ An dem Projekt waren überwiegend Betriebe aus Herne und der Region beteiligt. „Das ist die Stärke des lokalen Handwerks“, betont Jens Laufer, „die kurzen Wege und Verbindungen der Gewerke untereinander.“
Meisterwerke gleich zweifach
Abgesehen von Wandverkleidungen und Fußböden lagen alle Bauteile aus Holz in der Obhut der Herner Schreinerei Laufer. Dabei wurde auch Holz neu eingesetzt. So haben jetzt alle Rollläden Lamellen aus Holz.
Ende April 2026 wurde die Villa als städtische Galerie mit einem Festakt neu eröffnet. In acht Galerieräumen sind noch bis Oktober „Meisterwerke“ aus der Sammlung des Emschertal-Museums zu sehen. Abseits der Gemälde lohnt der Blick auf Fenster, Türen, Wände, Böden, Decken und Fassade – als Zeugnisse moderner Handwerkskunst.

