Udo Vaupel:

Anwalt des Handwerks und Hüter der Immobilien

Wer im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis über Handwerk spricht, kommt an Udo Vaupel kaum vorbei. 
Der 71-Jährige ist Bezirkshandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Ruhr für Ennepetal, 
Gevelsberg, Schwelm und Sprockhövel. Vor allem aber ist er eines: Ansprechpartner für Politik, 
Handwerker und Bürger. „Man kennt sich im Dorf“, sagt er lakonisch. Und darauf baut seine Arbeit auf.

Es war genau diese Idee, die Kreishandwerksmeister Wolfgang Hoffmann vor einem Jahr im Vorstand umgesetzt hat: Mit Bezirkshandwerksmeistern Ansprechpartner vor Ort im riesigen Gebiet der Kreishandwerkerschaft Ruhr mit seinen rund 650 Quadratkilometern zu haben. Udo Vaupel hat den südlichen EN-Kreis übernommen. Das ist aber nicht seine einzige Aufgabe im Vorstand der Kreishandwerkerschaft Ruhr.

Udo Vaupel versteht seine Rolle klar politisch. Die Verbindung zu den Innungen sei wichtig, sagt er, doch seine Hauptaufgabe liege woanders: „Der Bezirkshandwerksmeister ist eigentlich die Schnittstelle hauptsächlich zur Politik und zu den Bürgern.“ In seinem Zuständigkeitsbereich sei er bekannt – das helfe, Türen zu öffnen und Hemmschwellen abzubauen.

Aktuell beschäftigt ihn vor allem die Neuausrichtung der Vergaberegeln in Nordrhein-Westfalen. Nachdem bisherige 
Vorgaben aufgeweicht 
wurden, entwickeln viele Kommunen eigene Regularien. Für Vaupel birgt das Risiken – aber auch Chancen.

„Da ist es eben angeraten, eine Regelung zu finden, die das Gleichgewicht weiterhin wahrt zwischen
Auftraggeber und Auftragnehmer. Und vor allen 
Dingen, dass man nicht in jeder Kommune plötzlich eine andere Vergabeordnung hat.“ Ein Thema, das er im Gespräch mit der Politik anspricht, sind die Herausforderungen für das Handwerk, die mit pauschalen Generalunternehmer-Ausschreibungen verbunden sind. „Wir wollen schon dafür 
sorgen, dass unser heimisches Handwerk entsprechend berücksichtigt wird. Denn es hat keiner was davon, wenn die Gewerbesteuer dann plötzlich in Tschechien bezahlt wird.“

Nachwuchs im Handwerk ist generell ein Thema. Auch für Udo Vaupel. Ausbildungsmessen seien ein Standbein, allein reichten sie nicht, ist er überzeugt. Gerade erst hat die Baugewerbe-
Innung Ruhr über die Beteiligung an den nächsten Messen in Witten und Schwelm diskutiert. Vaupel, der vor der Fusion der Kreishandwerkschaften Bochum und Ennepe-Ruhr Obermeister der EN-Bauinnung war, diskutierte mit.

Er sagt aber auch: „Man muss die Schulen ansprechen, man muss die Lehrer ansprechen. Man muss in den Unterricht reingehen und dort begreiflich machen, dass das Handwerk wirklich einen goldenen Boden hat.“ Auch bei diesem Thema sucht er den Kontakt zur Politik, zu den Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen im Kreis.

Was beschäftigt ihn noch? Viele Themen wären es, erzählt er und nennt Schwarzarbeit als Beispiel. Da könne es vorkommen, dass ihn Anrufe erreichen: „Hör mal, Udo, da ist eine Baustelle und da sind alles Leute, die kenne ich gar nicht.“ Dann wird Vaupel aktiv, macht im Vorfeld eine Recherche – zum Teil gemeinsam mit dem Obermeister der Baugewerbe- Innung Ruhr Felix Maas, um letztendlich eine Überprüfung anzustoßen.

Verantwortung für die Immobilien der Kreishandwerkerschaft
Weniger sichtbar, aber wirtschaftlich ebenso bedeutend ist ein weiteres Aufgabenfeld: Vaupel ist zuständig für die Immobilienbewirtschaftung der Kreishandwerkerschaft Ruhr. Dazu gehört der Hauptsitz in Bochum an der 
Springorumallee ebenso wie das Haus des Handwerks in Herne. In Witten besitzt die Kreishandwerkerschaft Mehrfamilienhäuser an der Körnerstraße und an der Steinstraße sowie eine Gewerbeimmobilie an der Kurt-Schumacher- Straße. In Schwelm gehört ein weiteres Mehrfamilienhaus zum Bestand – dort befand sich einst der Verwaltungssitz der damaligen Kreishandwerkerschaft Ennepe-Ruhr-Süd.

Vaupels Aufgabe umfasst die Betreuung und Bewirtschaftung dieser Objekte: Instandhaltung, Entwicklung von Sanierungskonzepten, wirtschaftliche Planung. Es geht um Werterhalt, um nachhaltige Nutzung – und um stabile Einnahmen für die Organisation. Sein handwerklicher Hintergrund kommt ihm dabei zugute. Als vereidigter Sachverständiger im Maurer- und Betonbauhandwerk kennt er Bauqualität, Mängelbilder und Sanierungsbedarf aus der Praxis. Bis 2015 führte er ein eigenes Bauunternehmen, das später in seine Sachverständigengesellschaft überging. Hier arbeitet er für private Bauherren und Gerichte. Ans Aufhören denkt er nicht. „Das ist meine Passion. Das ist mein Leben“, sagt er und ergänzt:  „Ich habe für mich die drei Grundregeln: Solange es Spaß macht, solange ich es gesundheitlich kann und solange die Leute mich haben wollen. Und wenn einer von den drei Faktoren wegfällt, hör ich auf.“

Ehrenamt aus Überzeugung
Neben dem Amt als Bezirkshandwerksmeister engagiert sich Vaupel ehrenamtlich in zahlreichen Gremien: im Meisterprüfungsausschuss, im Sachverständigenprüfungsausschuss, im Vorstand der Bauverbände Westfalen und über-
regional im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes in Berlin. Vierzehn Termine pro Jahr in der Hauptstadt sind keine Seltenheit. Die Erfahrungen aus dieser überregionalen Arbeit kommen ihm dann wieder für seine Aufgaben als Bezirkshandwerksmeister zugute.

Genug zu tun hat Udo Vaupel also: Und wenn doch einmal Zeit bleibt, zieht es ihn ans Wasser oder in die Garage: 
Angeln zur Entschleunigung, Oldtimer als Leidenschaft. 
Eine Corvette fährt er bereits, an einem Camaro wird seit zweieinhalb Jahren geschraubt – auch das „mit Herzblut“.

Ronny von Wangenheim