Im Streit um die Vergabepraxis bei den geplanten Bochumer Schulbauprojekten zeichnet sich eine Bewegung ab. Nach mehreren Gesprächen mit den Ratsfraktionen von Grünen, CDU und SPD sieht die Kreishandwerkerschaft Ruhr erste Erfolge. „Es hat sich für uns zum Positiven gewandelt“, sagt Kreishandwerksmeister Wolfgang Hoffmann.
Hintergrund ist der Ratsbeschluss vom Februar 2025, wonach die Stadt für 26 Schulbauprojekte mit einem Gesamtvolumen von rund 630 Millionen Euro verstärkt auf Generalplaner und Generalunternehmer setzen will. Das Handwerk hatte diese „alternativen Beschaffungsmodelle“ scharf kritisiert. Großvolumige Gesamtvergaben benachteiligten kleine und mittlere Betriebe aus der Region massiv, so der Vorwurf. Der Beschluss selbst werde zwar nicht zurückgenommen, räumt Hoffmann ein. Doch in einem Gespräch mit Stadtkämmerin Dr. Eva Maria Hubbert habe sie zugesagt, künftig mindestens 30 Prozent der Aufträge direkt an Handwerksbetriebe zu vergeben – also nicht über Generalunternehmer. „Wir arbeiten daran, dass es mehr wird“, betont Hoffmann. Die Kämmerin habe signalisiert, dass der Anteil steigen könne, ohne sich auf eine konkrete Zahl festzulegen.
Zudem soll das Handwerk künftig beratend in politische Arbeitskreise eingebunden werden. Bislang sei eine solche Beteiligung in Bochum nicht vorgesehen gewesen. Für den Kreishandwerksmeister ist das „ein Riesenschritt“, weil das Handwerk damit frühzeitig Stellung zu geplanten Beschlüssen nehmen könne. Auch bei der konkreten Ausgestaltung der Ausschreibungen sieht die Kreishandwerkerschaft Bewegung. Die Stadt habe signalisiert, praxisnäher ausschreiben und stärker mit kleineren Losgrößen arbeiten zu wollen – etwa im Bereich von 100.000 bis 500.000 Euro statt mehrerer Millionen. Damit könnten sich regionale Betriebe realistischer beteiligen.
Ob die Ankündigungen dauerhaft Bestand haben, bleibt abzuwarten. Die Gespräche mit Politik und Verwaltung sollen fortgesetzt werden. Für das Handwerk ist die jetzige Entwicklung dennoch ein wichtiges Signal: „Es tut sich was“, sagt Wolfgang Hoffmann.
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